Biowasserstoff-Magazin

Buch-Rezension "Wasserstoff für alle"

Rezension zum Buch ‚Wasserstoff für alle‘

Bei dem Buch ‚Wasserstoff für alle‘ vom Autor Karl-Heinz Tetzlaff, einem Verfahrensingenieur im Ruhestand, handelt es sich um die 3. aktualisierte Ausgabe. Man kann das Buch als Fachbuch sehen, aber das würde dem umfassend recherchierten und dargestellten Inhalt nicht gerecht werden. Es ist viel mehr als nur ein Fachbuch und liest sich wie ein spannender Kriminalroman. An einen solchen erinnert es auch immer wieder, wenn man liest, wie die sich bereits heute bietenden Möglichkeiten der regenerativen Energieerzeugung von den großen Energiekonzernen und deren starkem Lobbyeinfluss auf die Politik unterdrückt und in eine ferne Zukunft verlagert werden bzw. werden sollen.

Dass es so weit nicht kommt, sondern dass die Menschen – besonders und auch als Wähler – endlich aufwachen und Druck auf Großkonzerne und Regierung machen, damit die Einführung preiswerter erneuerbarer Energie endlich und rasch auf den Weg gebracht wird, dafür setzt Karl-Heinz Tetzlaff sich mit seinem Buch ein.

Man muss es gelesen haben, ganz egal, ob als Laie oder Fachmann, dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen und man erkennt einerseits die sich hier bietenden Möglichkeiten einer echten Wasserstoffwirtschaft, andererseits die Machenschaften der Energiekonzerne und die Hilflosigkeit und Abhängigkeit der Politik.

Tetzlaff beginnt mit der Ausgangslage und führt den Leser dann über die Energie- und Machtpolitik heute, die Peak-Öl-Katastrophe, die selbstverschuldete Unmündigkeit und das Denken in alten Strukturen zu den Möglichkeiten der Wasserstofftechnologien. Er zeigt auf, was sein könnte und wer und aus welchen Gründen man diese Technologie verhindern möchte.

In den folgenden Kapiteln widmet er sich den Themen Biomasse, Herstellung von Bio-Wasserstoff, CO2-Optionen und Wasserstoffanwendungen. Hierunter fallen auch Brennstoffzellen im mobilen und stationären Einsatz. Auch hier zeigt Tetzlaff die Möglichkeiten dieser modernen Technologie auf, hinterlegt mit Fakten, aktuellen Zahlen und Berechnungen – leicht verständlich, auch für Laien und ebenso interessant für Fachleute.

Weiter geht es mit Batterieauto, Bio-Energiebedarf und Biomasse-Potenzial. Hier wird dem Leser vor Augen geführt, mit welcher Verschwendung – weil ineffizient und alte Technologie – heute gearbeitet wird und um wie viel effizienter eine echte Wasserstoffwirtschaft sein könnte. Man mag es kaum glauben, aus der heute aufgewendeten Primärenergie von 14.061 PJ (Petajoule), die zu 93% aus fossiler/nuklearer Quelle und zu 7% aus erneuerbaren Energien stammt, entstehet gerade mal 4.600 PJ, also 33% Nutzenergie. Der Rest wird verschwendet. Bei einer Wasserstoffwirtschaft – hochgerechnet auf das Jahr 2030 – braucht man einen Primärenergieeinsatz von 3.400 PJ, anteilig aus Biomasse mit 70% und EE-Strom mit 30% und gewinnt daraus die dann benötigten 2.900 PJ. Der Wirkungsgrad verbessert sich auf 85%, die Verluste werden von rund 67% auf 15% reduziert. Und das alles ohne Einschränkung des Energiekomforts. Tetzlaff belegt das durch Zahlen und Berechnungen und erläutert ausführlich, wo die Probleme der alten und die Vorteile der neuen Technologie liegen.

Spätestens hier muss man sich fragen, warum greifen die Politiker das nicht auf und bringen es auf den Weg…

Im Kapitel über die Kosten einer Wasserstoffwirtschaft wird – nachvollziehbar – dargelegt, um wie viel preiswerter Wasserstoff aus erneuerbarer Energie in dezentraler Herstellung sein könnte bzw. sein wird – wenn man von der bisherigen Stromwirtschaft auf eine Wasserstoffwirtschaft umstellt.

Erneut taucht die Frage auf ‚Warum überlässt man den Großkonzernen die Gestaltung der Energieversorgung, die von diesen zu deren eigenem Vorteil und zur Gewinnoptimierung ausgebaut und festgezurrt wird, anstatt von politischer Seite alles daran zu setzen, dass wir rasch neue (erneuerbare), umweltfreundliche, dezentral erzeugte, preiswerte und saubere Energie bekommen, die uns dann auch noch unabhängig von teuren Importen aus Ländern mit unsicherer (politischer) Zukunft macht.‘

Nun folgen Kapitel über die Infrastruktur, Fossile Kraftwerke und CO2-Zertifikate sowie über alte und neue Energien in einer Wasserstoffwelt.

Das war die erste Hälfte des über 500 Seiten umfassenden Buches. In der zweiten Hälfte folgen ‚Was wir tun und was wir tun sollten‘, wo unter anderem auch der Lobbyeinfluss großer Konzerne auf die Politik behandelt wird, weiter geht es mit ‚Auf dem Weg in eine Wasserstoffwelt‘. Hier werden die Meinungsbildung, das Realisierungstempo ebenso angesprochen, wie die Einbindung fossiler Energien, die Marktwirtschaft und Prüfung der Zukunftsfähigkeit.

Im Kapitel ‚Politische Würdigung‘ werden die Probleme der Kernenergie, Kohleenergie, Klimaschutz, Kosten und mehr angesprochen. Auch Hemmnisse und Gestaltungs(un)willen der Politik werden behandelt und Nachhaltigkeit, Agrarpolitik und Friedenspolitik finden sich hier.

Es folgt ‚Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen‘ und ‚Ausblick‘.

Insgesamt zeigt Tetzlaff nicht nur die gesamte Problematik unserer Energiegewinnung, Energieerzeugung und Energieversorgung auf, er bietet auch Lösungen an – detailliert und nachvollziehbar.

Wer – als Fachmann oder interessierter Laie – mehr Informationen braucht, kann diese im technischen Anhang finden, der sich immerhin von Seite 361 bis zur Seite 501 erstreckt. Auch hier werden nicht nur Zahlen und Fakten dargestellt, sondern es folgen Erläuterungen zu den jeweiligen Darstellungen, Grafiken, Tabellen, Berechnungen usw. Also sowohl etwas für den versierten Fachmann, als auch für Laien verständlich.

Es finden sich unter anderem Anleitungen und Beispiele, wie man aus Biomasse hoch effizient Wasserstoff herstellen kann. Auch Anlagengrößen und Kosten werden genannt.

Unter anderem geht Tetzlaff davon aus, dass man in einer nicht zu fernen Zeit Brennstoffzellenheizungen, die mit Wasserstoff betrieben werden, aus dem Baumarkt kaufen kann, die nur wenig mehr als 10 Euro pro kW kosten.

Unglaublich? Vergleichen Sie doch mal, was in den 1970er/1980er Jahren, also gerade mal vor 30/40 Jahren, Computer gekostet haben. Damals gab es noch keine PC, die damals ‚normalen‘ Computer waren Großrechner (Mainframes) für 250.000 bis zu 15 Mio. Euro, oder gehörten zum Bereich ‚Mittlere Datentechnik‘, die dann ‚nur‘ 50.000 bis 100.00 Euro gekostet haben – ohne Software, für die oft noch einmal derselbe oder gar ein höherer Betrag fällig wurde.

Ich selbst habe Mitte der 1960er Jahre mehrere Jahre als Wartungsingenieur für eine Computerfirma gearbeitet. Die Computer wogen ca. 380 kg (pro Stück) und wurden für 380.000 DM verkauft – nur die Hardware. Die Software kam dann noch dazu, teilweise teurer als der Computer selbst. Ein Programm zur Berechnung von optischen Linsensystemen lief, wie auch ein Programm für statische Berechnungen von Brücken, damals 30 bis 36 Stunden, bis das Ergebnis ausgegeben wurde. Mit einem modernen PC der heutigen Generation, der für 500 bis 1.000 Euro zu bekommen ist, würden dieselben Berechnungen in einem Zeitrahmen von wenigen Minuten bis unter einer Stunde erfolgen können. PCs der ersten Generationen, also ab Mitte der 1980er Jahren, hätten für solche Berechnungen noch mehrere Stunden benötigt – aber eben keine 30 bis 36 Stunden – und waren dennoch für Beträge um 2.000 bis 3.000 DM zu haben. Welch ein Fortschritt in gerade mal 20 Jahren!

Dass es heute leistungsfähige PCs zu sehr günstigen Preisen gibt, liegt unter anderem daran, dass hier die freie Marktwirtschaft funktioniert und das Feld nicht von einigen wenigen ‚Quasi-Monopolisten‘ beherrscht wird, wie dies leider heute (noch) bei der Energieerzeugung der Fall ist. Dies gilt es zu ändern, die Anleitung dazu liefert das Buch gleich mit.

Alles in allem ist das Buch ‚Wasserstoff für alle‘ ein herausragendes Werk. Sorgfältig recherchiert, ausführlich und sowohl für Laien als auch Fachleute lesenswert geschrieben, kritisiert es nicht nur, sondern zeigt auch Wege auf, wie wir uns in nur wenigen Jahren von der Abhängigkeit der zur Neige gehenden fossilen Energieträger lösen und neue, bessere und preiswertere Energie haben können.

Die aktualisierte 3. Auflage aus dem Jahr 2011 ist auf dem neuesten Stand und eine lohnende Anschaffung für jeden, der sich Gedanken über die zu Ende gehenden Ressourcen Erdöl und Erdgas macht und wissen möchte, welche besseren alternativen Möglichkeiten sich bieten.

Daher ‚sehr empfehlenswert‘ und volle 5 Sterne!

 

Manfred Richey

14. Februar 2011

 

Weitere Informationen: http://www.bio-wasserstoff.de/h2/Buch/buch.html

Inhaltsverzeichnis: http://www.bio-wasserstoff.de/h2/Buch/Inhaltsverzeichnis/inhaltsverzeichnis.html

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